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REZENSIONEN - REZENSIONEN - REZENSIONEN



Firenze, Juni 1993

Der Bildhauer Bruno Cappelletti verwendet weiche Materialien, die sich sehr gut an die weichen von ihm modellierten Formen anpassen. Urtypen, die bis zu einer gründlichen Stilisierung gebracht werden, sind in ihrer Form perfekt. sie bleiben im Rahmen eines harmonischem Linienspiels. Im Ganzen, ein außerordentlich positiver Eindruck.

                                                                                                       Bruno Chiarini


Venedig, im Juli 1995


BRUNO CAPPELLETTI: Spielerische Formen


Sage mir, woher Du kommst, und ich sage Dir, wer Du bist. Dieser Spruch gilt vor allem für die Künstler, die nicht umhin können, durch ihre Werke die Charaktere ihres örtlichen Ursprungs zu verraten. Das gilt vor allem für diejenigen, die in ökologischen Nischen leben, die voll von lebendigen Traditionen und leicht verständlicher Menschlichkeit im Alltag sind. Bruno stammt aus einem unserer Täler, die am wenigsten unter der Modernität gelitten haben.


In seinen Werken steckt der Geruch von Jahrhunderte alten Traditionen, Leidenschaften, Träumen und Erinnerungen.


Aus dem Ganzen entsteht der Wunsch nach Befreiung des Ausdrucks der Mythen der Geschichte: die Talbewohner haben immer lieber was getan als was gesagt. Bruno ist keine Ausnahme. Cappelletti ist ein Trentiner mit der Skulptur im Blut.


Seine Kreativität findet vor allem in Bildwerken grossen Ausmasses Ausdruck. Mein Gedanke geht auf seine Schöpfungen, die mysteriöse Wesen verklären, die aus einer zauberhaften Welt entführt zu sein scheinen, die an geahnten Vorstellungen reich ist und eine hohe symbolische Fülle verrät.


Daher ihre Faszination- und Verführungskraft.


Was bei den Bildwerken Brunos auffällt, ist die Leichtigkeit der von ihm produzierten Gegenstände und die Harmonie, die er darin verkörpern kann. Die erwähnte Leichtigkeit stellt sich der starken Dichte der behandelten Materialien entgegen und hinterlässt im Betrachter eine Stimmung produktiver Rätselhaftigkeit.


Förmlich gesehen ist die Bezugsfigur eine weiche und dämpfende Kurve: man befindet sich in den Erlebnissen, die zum mütterlichen Schoss führen, zu Orten in denen die Kreativität einen gebärenden Wert annimmt.


Selbstverständlich drücken sich solche Spiele meistens auf dem Niveau der Präkognition aus, dass heisst in den Orten, wo ein starkes Band zwischen Intuition und Wirklichkeit herrscht.


                                                                                                           RuggeroSicurelli





Castelnuovo, November1997


Schreien die Cappellettis Skulpturen als ob sie ihren Schaffer bitten würden, als ob er der Einzige in der Lage wäre sie zu „befreien“, der Einzige, der Augen hat, um das „schon Existierende“ im holz zu ahnen und hervorkommen zu lassen. Er verfeinert nämlich das Holz, er schnitzt und gliedert es in Beton ein, welcher unorganisch ist aber vielleicht dadurch geschmeidiger, er gibt also seinen Dingen ein autonomes Leben, reich an Geflüster und Schreien.


                                                                                                      Simonetta Murri





Castelnuovo, November 1997


Komplementäre Materialien


Durch die Kombination von Holzschnitzerei mit Beton möchte ich die Themen des Lebens und der Existenz erfassen: Natur, Mensch, Liebe, Weiblichkeit und Mütterlichkeit.


Von Anfang an zwingen das Holz und die wurzeln zu einem fest definiertem Maß; Meine Arbeit besteht darin: „Auftauchen zu lassen was schon existiert“.


Im holz kann man die warme Färbung der Erde, und die Schönheit der Naturstoffe entdecken – man beobachte die Fasern des Holzes, die der Arbeit des Stemmeisens folgen, Linien, welche die Tiefe und die Rundheit der Figur unterstreichen.


Die Wurzel ist der fundamentalste Teil einer Pflanze, der Ursprung des Lebens.


Von den Bergen, die das Valsugana Tal umgeben, werden die Wurzeln durch die Wildbäche ins Tal transportiert.


Im Herunterfallen rollen sie, stoßen gegen Steine, bleiben stehen bei den Schleifen. Die Zeit, und das Wasser lassen sie in ihrer Urform erscheinen, man kann fast ihre Seele erkennen. Ihre Entdeckung erweckt Begeisterung, Überraschung, Emotion.


Mit dem Beton ist der künstlerische und gestalterische Akt freier. Durch die Entwicklung des Themas erwirbt das Werk Phantasie, Spontaneität und Personalisierung.


Mit der rein technischen Fähigkeit, der Erfahrung und den Kenntnissen von Material und Werkzeug, verwandelt der Künstler eine abstrakte Betonmasse zu einer vorstellbaren Form.


                                                                                                              Bruno Cappelletti





Levico , September 1998

Es ist unglaublich wie der Künstler Bruno Cappelletti imstande ist den gegenwärtigen menschlichen Zustand durch Skulptur und Malerei darzustellen: die Bewegung der Skulpturen drückt die Tiefe Gier und gleichzeitig die menschliche Abtötung der Gefühle aus ; Skulpturen, ohne gefällten Gedanken, ohne Gesicht, blutlos, die aber durch Gesten die ganze ursprüngliche Wonne des menschlichen Phatos genießen lassen.


                                                                                                         Alessandro Perina



Borgo Valsugana, November 2000


Umarmung, Begegnung von zwei Stoffen die verschiedenen sind, sowie auch die männliche Natur und die Weibliche Natur verschieden sind.


Der poröse Zement wirkt der glatten Oberfläche des Holzes entgegen, der Beton umarmt das lebende Material, er bezieht es ein, er umschließt es.


Aber manchmal ändert sich die Beziehung wie es auch an Männern und Frauen passiert: das Holz baut einen Käfig um den Stein.


In Bruno Cappellettis Kunstschaffen, obgleich es sich weit von bildenden Ansprüchen entfernt erklärt, werden Erinnerungen bewahrt, gestaltet menschlicher Form, die sich gewissen Blickwinkeln aus präsentieren sich dann aber plötzlich verstecken, sowie sie von einem anderen Standpunkt aus gesehen werden.


Sind diese Umarmungen possessiv oder liebevoll? Es scheint, als ob das Holz, oder besser die Wurzel (dieser Teil des Baumes wird vom Künstler oft gebraucht), vom schweren Kontakt des Zementes sich befreien wolle, obwohl diese Schwere von der weißen Farbe gemildert wird. Aber aus diesem Kontrast erwirbt das Holz mehr Leben und eine besondere Wärme.


                                                                                                                Enrico Dandrea



Marsberg, Oktober 2001


Bruno Cappellettis Werk beruht auf einem klassischem Ursprung. In einem fließendem Ausdruck läßt er grazile Frauenfiguren mit manieristischen Verzerrungen entstehen. Die Eichenstämme haben eine Länge von 5 Metern und eine Durchmesser von 50 cm. Die Bewegung der Figuren in freier Gestik sind dynamisch und ausdrucksstark. Mit ihrer Individualität jeder Figur, ergänzen sie sich in der Gruppe zu einer Kreisform aufgestellt zu einem ganz eigenen Komplex mit beziehungsrelevanter Aussage. Die Gruppe lebt von Licht und Schattenwirkung. Dabei entstehen ,je nach Standpunkt und Blickwinkel des Betrachters, volle und leere Räume zugleich. Die Bewegung von unter nach, vom Boden gen Himmel, entspringt der Tiefen Lage des Stand-punktes der Skulpturengruppe. Sie setzt einen Gegenpol zu den hohen Bäumen und Berge um sie herum. Die durchgearbeiteten Skulpturen zeugen von höchster Konsequenz und Perfektionsanspruch in der Konzeption und Realisation des Künstlers.


                                                                                                            Peter Engels




Berlin, Dezember 2002


Bruno Cappelletti, 1945 in Sopramonte im Trentino, Italien, geboren, formuliert in seinem Katalog: ”Meine Arbeit besteht darin, auftauchen zu lassen, was schon existiert.”


Die Fundstücke, die er oftmals in seinen Plastiken und Skulpturen bearbeitet, verarbeitet, geben ihm von Beginn an ein fest definiertes Maß vor.


Mit Sensibilität, ihm höchsten Maße begeisterungsfähig, spontan und kreativ entwickelt er spielerisch seine Inhalte, seine Themen. Aus der momentanen, blitzartig aufkommenden Idee entwickelt er in anhaltender Zwiesprache mit dem Wesen des Naturobjektes sein Motiv und setzt dieses in höchster Konsequenz und handwerklicher Perfektion Schritt für Schritt um. Dabei nutzt er die besondere Ausdruckskraft und Sinnlichkeit komplementärer Materialien. Dies ist für Bruno Cappelletti kein formaler Akt, sondern entspricht zutiefst seinem Inneren, seiner besonderen seelischen Veranlagung.


In aktivem und bewußtem Umgang mit Mut und Demut, nicht nur in seinem Künstlerischen Schaffen, verwirklicht er sein Ich.


Einer Umarmung gleich ist hier die Begegnung zweier Stoffe, Materialien. Eine Umarmung mit all den ihr innewohnenden Hoffnungen, Fragen und Problemen, wie:


Vereinigung oder Vereinnahmung


Selbstbehauptung oder Selbstaufgabe


Symbiose oder Parasitismus


Harmonie oder Dissonanz


Diese Dualismen werden bei Bruno Cappelletti aufgelöst in der Suche nach etwas Neuem, Ganzem, Drittem oder Viertem , thematisch explizit umgesetzt in „ Il dondolo“ – „Das Schaukelpferd“.


Ganz allgemeine Themen der Existenz wie Natur, Mensch, Liebe, Weiblichkeit, Mutterschaft finden sich in Skulpturen wie z.B. „Venuta alla luce“ – „Die Geburt“ wieder, seelische Zustände spiegeln sich z.B. in „Le confidenti“ – „Die Vertrauten“ oder auch scheinbar konkretere Vorgaben wie „L’uccello“ – „Der Vogel“ sucht oder findet Bruno Cappelletti. Sie sind wiederkehrende Variationen zum Thema „ Vorgabe und Eingebung“, didaktischem und intuitivem Arbeiten, von Analyse und Synthese.


Und somit möchte ich den zitierten Satz von Bruno Cappelletti vom Anfang meiner Worte, “ Meine Arbeit besteht darin, auftauchen zu lassen, was schon existiert“, erweitern zu: „Meine Arbeit besteht darin, auftauchen zu lassen, was schon existiert, gespiegelt in der Tiefe meiner Seele voller Ästhetik Aussagekraft.


                                                                                                             MatthiasSchilling






Berlin Dezember 2002


Die grosse Skulpturenausstellung, die im Dezember 2001 in Berlin organisiert wurde, erweckt noch einmal die internationale Aufmerksamkeit auf den Trentiner Künstler Bruno Cappelletti. Und sie rückt ihn vor die Geschichte der Skulptur der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, wie in eine direkte und explizite Auseinandersetzung, gerade um seine persönlichen Prioritäten zu entziffern, statt seiner allgemeinen künstlichen Kennzeichen, die im Licht der letzten Werke neu gedeutet werden müssten.


Solche Prioritäten unterstehen der Notwendigkeit, den Stoff als das Grundmittel zu behandeln, durch das man die eigene Kunst ausdrücken kann; es gibt auch für ihn andere Mittel, die aber trotzdem von seinem Verhältnis zum Stoff abhängen; es sind: die Grafik, die Malerei, die Räume innerhalb deren seine Gedanken leben, der Charakter der Darstellung, die die Skulptur unterstreichen und hervorheben kann, die Betonung der Volumina, ein besser durchgedachter Eingriff dank der „Erhellung“ von einem Teil des Stoffes.


Bevor die Materie gemeisselt (geformt) wurde, ist sie von Cappelletti „erfunden“ und neu entdeckt worden, um ein Objekt zu zeigen und es uns zu vermitteln, das er in einem Baumstamm, in einer Wurzel, die er in einem Trentiner Bach gefunden, identifiziert hat, dass heisst einen Begriff, den er in der Zwischenzeit gedanklich ausgearbeitet hat.


Die Materie als Ausdrucksmittel ist also die Übertragung einer gedanklichen Überlegung, einer semiologischen Bezeichnung, die zum Wort und Zauber wird, um danach das zu werden, was in der Kunst „Offenbarung“, das heisst, Werk genannt wird.


Was Cappelletti auch durch die Berliner Ausstellung anpackt, damit seine Skulpturen genau das ausdrücken, was er vermitteln will, ist die Wahl der plastischen Werte, die er in den Zusammenhang der Skulpturen setzt: diese Wahl schafft „die Sprache“ des Künstlers und, zusammen mit anderen Elementen der Skulptur, den Stil.


Die Sprache Cappellettis lässt sich nie auf einen überflüssigen künstlerischen Ausdruck zurückführen, der aus der sogenannten „Inspiration“ hervorging, sondern sie bedient sich einer durchdachten und tief erlebten formulierenden Strategie, durch die er Gedanken, Bedeutungen, Erwartungen und Herleitungen vermitteln kann.


Er weiss aber, dass die einmal geformte, gehandhabte, manipulierte, durchzogene Materie sich frei und intensiv der Deutung anbietet; in dieser Erscheinung steckt eine Art Sehnsucht: es werden die anderen sein, (nicht der Künstler), die die Skulptur lebendig machen, so dass sie nicht nur ein Hinweis auf kurze zauberhafte Augenblicke bleibt, sondern zu einem Geschenk wird, das ständig zwischen dem Anblick und der Aufnahme liegt, unerreichbar und nicht zu realisieren, nicht durch die Interpretation erfüllbar, weil die Geschwindigkeit des Wachstums direkt proportional zum Wunsch nach Licht, zur Hoffnung auf neue Versprechungen ist.


Cappelletti vollführt, mit seiner schwierigen schöpferischen Tätigkeit, ein Werk von grosser gedanklichen Ausarbeitung, wenn er nach der Definition der zu behandelnden Materie Räume und Volumina, aufzunehmende Linien und hervorzukehrende Schönheiten bestimmt.


Seine Werke entstehen dann zuerst aus einer tief erlebten, erleuchteten gedanklichen Lage, um nachher zu „Routen“ der Kunst zu werden, die man veranschaulichen und „benutzen“ kann.


Der Trentiner Künstler, der seit Jahrzehnten mit der unermüdlichen Suche nach der für die Vermittlung geeignetesten Dimension des Ausdrucks engagiert ist, schafft zarte und energische „innerliche“ Figuren, durch die Verwendung des Holzes, des Steins, der Bronze, der gemischten Technik mit weissem Zement und Holz.


Er „erfindet“ die Materie in dem Sinn, dass er weissen Zement als Mittel anwendet, um das Holz zu formen, weil er es für nötig hält, auf neue Ideen hinzuweisen, die als alternative Möglichkeiten zur schöpferischen Hypothese da sind und seinen Bedarf an künstlerischem Ausdruck neu beweisen.


Jeder kennt den ewigen Kampf, den der Bildhauer mit der Materie unternimmt, um sie zu erfassen und zu seinem innerlichen Wunsch und Bedürfnis zu zwingen, die höchste Dimension des Seins zu erleben, aber es ist auch wahr für Cappelletti, dass er, aus seinem historischen Unbehagen und aus dem Streit seines „Ichs“ mit der Welt, den Mut und die Kraft gehabt hat, um sich aus der Strömung seines Gewissens und aus den Ereignissen zu befreien, die ihn immer zu versenken drohen.


Cappelletti hat diese innerliche Bewegung ausgedrückt, indem er die zu meisselnde Materie angewendet hat, um Räume und Volumina der eigenen Skulpturen zu bestimmen, als Mass einer schöpferischen Freiheit, die ihm eine neue Erkennbarkeit, primäre Energie und Entwicklungsspannung verleiht.


Die Formen und Figuren sind für den Trentiner Künstler Gelegenheiten und Ereignisse, die in einem „Crescendo“ von Träumen und Verirrungen, Vertiefungen und Erlebnissen ausgearbeitet wurden.


Es sind auch Modelle und Alfabete, die in einer ganz zeitgenössischen Satzlehre zu verwenden sind, ausserhalb einer alltäglichen Ausdrucksmöglichkeit, die als tapfere Herausforderung angenommen und in die Arme der Menschengeschichte weitergegeben werden kann.


                                                                                                      Pino Bonanno




Templin, Juni 2003


Bruno Cappelletti, Plastik und Malerei


Sehr geehrte Damen und Herren,


liebe Freunde und Gäste!


Der Plan für die heutige Ausstellung entstand schon vor zwei Jahren. Damals weilte Bruno Cappelletti während des III. Internationalen Graphiksymposiums des Kunstvereins hier in Templin und wir waren zu einem gemütlichen Abend bei Katrin Bohm eingeladen. Gut Ding braucht Weil, sagt man und wie wir sehen, ist es auch so.


Zur Zeit nun findet das IV. Internationale Graphiksymposium in den Werkstätten und dem Atelier von Bodo Neumüller statt. Wieder sind Künstler aus Italien, Polen und Deutschland in Templin zu Gast, die ich hiermit auf das Herzlichste in der Ausstellung begrüßen möchte, sowie Kollegen der Künstlergruppe „Raus“, die ebenfalls zur Zeit in Templin arbeiten.


Ich freue mich, die heutigen einleitenden Worte an Sie richten zu dürfen, denn ich kenne B. C. seit Jahren, wir sind gute Kollegen und vor allen Dingen Freunde.


Die Intention dieser Einführung soll nicht Kunstkritik im guten oder weniger guten Sinne sein. Unsere Sprache verfügt nicht über annähernd so viele Vokabeln, um auch nur im Ansatz Kunstausdrücke beschreiben zu können.


Gegenüber der Natur haben wir noch das Verhältnis der reinen Anschauung. Gegenüber von Kunstwerken fühlen wir uns genötigt zu urteilen. Das allein ist Ungerechtigkeit genug. Urteile sind untauglich, denn sie grenzen ab und werden schneller überholt, als sie aufgeschrieben sind.


Kunstwerke sind Ruhe und halten gerne Anschauung aus.


Unruhe wird möglicherweise beim Betrachter ausgelöst.


So sind wir aufgefordert uns der Wirkung dieser hier präsentieren Werke auszusetzen und den Blick schauend reifen zu lassen.


Schon bei der Bezeichnung der Ausstellung B. C. „Plastik und Malerei“, oder sind es nicht doch besser Skulpturen, beginnt eine gewisse Unklarheit.


Im Kunstunterricht war uns doch ganz einfach zum Merken beigebracht worden:


Skulptur – entspricht - bei Marmor, Stein und Holz „kommt was weg“,


Plastik – entspricht - Ton, Wachs, Porzellan und Metall „kommt was dran“


Gips „ist in der Mitte“.


Vom Klassiker über die „Negerplastik“ von Carl Einstein (Erstausgabe 1915), in dem mit einer Ausnahme, ausschließlich skulpturale Holzarbeiten abgebildet und beschrieben sind, bis zum „Skulpturen-Park“ unserer Tage, wo hauptsächlich gewichtige, große Metall-Plastiken aus Bronze, Stahl, Messing oder Aluminium aufgestellt sind, reicht die Unklarheit.


Hierzulande greift man dann zum Duden:


In der Kurzerklärung für die Rechtschreibung – im I. Band - steht „Bildwerk“ für Plastik und „Bildhauerwerk“ für Skulptur und „Bildhauerkunst“ für beide.


Der Fremdwörter-Duden (Band 5) sagt in beiden Fällen Bildhauerkunst, differenziert jedoch `plastisch` mit „modellierfähig, knetbar, verformbar“ und `skulptieren` mit „ausmeißeln“.


Etymologisch – dem Ursprung und der `wahren`, der Grundbedeutung der Wörter nachgehend – Band 7 – steht für beide Begriffe „Bildhauerkunst“, jedoch jeweils mit Anführungszeichen.


„Die Plastik“ wird im 18. Jahrhundert aus dem französischen plastique entlehnt, auf das griechische Wort plastike zurückgehend. Dem liegt das Adjektiv plastikos zugrunde, zum


„Bilden, Formen, Gestalten gehörig“, das sich über das lateinische plasticus in „plastisch“ für uns wiederfindet. „Formbar, anschaulich, bildhaft, einprägsam“, abgeleitet vom griechischen Stammwort plassein aus weicher Masse bilden, formen, gestalten“.


Zur gleichen Zeit entwickelt sich aus dem Lateinischen sculptura die „Bildhauerarbeit“ durch „Graben, Stechen, Schneiden, etwas schnitzen, bilden, meißeln“ verwandt mit dem scalpere gleich „ritzen, schneiden; das Skalpell ist jedem bekannt.


Aber im Duden Band 10 zur Bedeutung der Wörter finden wir für


Bildhauer gleich „Künstler, der aus Stein, Holz o.ä. Plastiken herstellt“,


bei „Plastik“ mit dem Zusatz „Darstellung von Personen oder Gegenständen“, dieselben Wörter zur Erklärung bei „Skulptur“ – und (!) hinter einem Semikolon zusätzlich : „Plastik“


Da ist der beflissene Sucher geplättet, kommt nur noch auf den Spruch :


„Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich und dem Spezialisten rinnen die Tränen über die Wangen!“


Bruno Cappelletti ist 1945 in Sopramonte im Trentino, Italien, geboren. Er näherte sich der Malerei und vor allen Dingen dem räumlichen Gestalten in den frühen siebziger Jahren als Autodidakt und ist als freischaffender Künstler tätig.


Er formuliert in seinem Katalog: „Meine Arbeit besteht darin, auftauchen zu lassen, was schon existiert.“


Die Fundstücke, die er oftmals bearbeitet, verarbeitet, geben ihm von Beginn an ein fest definiertes Maß vor. Wer Bruno Cappelletti kennt, der weiß, wie er mit Sensibilität, höchster Begeisterungsfähigkeit, spontan und kreativ, manches Mal spielerisch seine Inhalte, seine Themen entwickelt. Aus der momentanen Eingebung formt er in anhaltender Zwiesprache mit dem Wesen des Naturobjektes sein Motiv und verwirklicht die Idee Schritt für Schritt.


Dabei nutzt er die innewohnende Ausdruckskraft und Sinnlichkeit komplementärer Materialien. Dies ist für B. C. kein formaler Akt, sondern entspricht zutiefst seinem Innern, seiner besonderen seelischen Spannkraft. In aktivem und bewusstem Umgang mit Mut und Demut, nicht nur in seinem künstlerischen Schaffen, verwirklicht er sein Ich.


Einer Umarmung gleicht die Begegnung zweier Stoffe, Materialien in den Arbeiten Bruno Cappelletti`s, eine Umarmung mit den ihr innewohnenden Hoffnungen, Fragen und Problemen wie:


Vereinigung oder Vereinnahmung,


Selbstbehauptung oder Selbstaufgabe


Symbiose oder Parasitismus


Harmonie oder Dissonanz


Diese Dualismen werden bei Bruno Cappelletti in der Suche nach etwas Neuem, Ganzem, Drittem oder Viertem aufgehoben. Zum Beispiel in “Cavallo a Dondolo” (Das Schaukelpferd) oder “Ibrido” (Hybrid).


Allgemeine Themen unserer Existenz, wie Natur, Mensch, Liebe, Weiblichkeit, Mutterschaft finden sich in seinen Werken wieder. z.B.: „La selezione“ (Die Auswahl) oder „La spalla“ (Die Partnerin).


Seine Arbeiten sind für mich letztlich wiederkehrende Variationen zum Thema „Vorgabe und Eingebung“, von didaktischem und intuitivem Arbeiten, von Analyse und Synthese.


Die Bilder, die Sie hier sehen, sind in der in der Mehrzahl Fragen an die eigenen Arbeiten, Variationen zu einem Thema, Erlebnisse bei einer erneuten „Begegnung“ oder eventuell eine Vorarbeit. Doch dazu dient B. C. oftmals die Zeichnung, die einer anderen Ausstellung vorbehalten bleibt.


Ich möchte den weiter oben zitierten Satz von B. C., Meine Arbeit besteht darin, auftauchen zu lassen, was schon existiert“,


erweitern zu:


„Meine Arbeit besteht darin, auftauchen zu lassen, was schon existiert, gespiegelt in der Tiefe meiner Seele voller Ästhetik und Aussagekraft.


Und so schließt sich vielleicht mein Gedankengang. Die Kunst, sei es Musik, Theater, Malerei oder eben auch Skulptur oder Plastik, sind ein Zaubermittel, eine Antwort auf das Babylonische Sprachgewirr. So treffen wir uns nun schon seit Jahren, arbeiten, essen, singen und tanzen, wenn es sein muss, auch weinen wir zusammen. Das ist auch ein Teil Deiner Arbeit, lieber Bruno. Dafür danke ich dir ganz herzlich.


                                                                                                    Matthias Schilling






Trient, 5 Juni 04


Jede neue Skulptur von Bruno Cappelletti ist eine echte Herausforderung.


Durch seine große plastische Ausdrucksfähigkeit und eine fast kindliche und doch schöpferische Fantasie und Intuition gelingt es ihm immer wieder Verwunderung zu erwecken, in dem er vieldeutige Kompositionen schafft, die den Raum, der sie umgibt, beherrschen.


Diese Werke setzen eine aufmerksame Beobachtung voraus, und fordern zur Bewegung auf, zum ständigen Wechsel der Perspektive, um am besten jedes Detail schätzen zu können. Sie schmeicheln und fangen den Blick ein, plastische und kurvenreiche Linien, Harmonie von Raum und Volumen, vollkommene Verschmelzung zwischen Holz, Naturstoff und ausgearbeitetem Zement.


Die Werke Bruno Cappellettis sind stark symbolisch, sei es in der Themenwahl, wie auch im ausgewogenen Gebrauch von sehr verschiedenen Stoffen, die sehr gekonnt ineinander verschmelzen, als ob sie dem modernen Menschen einen Weg zeigen wollten, Technologie und natur zu harmonisieren.


                                                                                           Nicoletta Tamanini


Berlin, 7 Juni 2004


Verehrte Anwesende! Liebe Kunstfreunde!


Da ich als Laudator beauftragt bin zu reden, muss ich mich zunächst vorstellen. Als „der bekannte Berliner Karikaturist“ bin ich angekündigt. Das ist die halbe Wahrheit.


Abgesehen da von, dass ich im Gegensatz zu den meisten Karikaturistenkollegen (und nebenbei, offenbar auch zu dem Künstler, den ich zu loben habe) ausgebildeter Grafiker bin, bin ich eben auch im Lauf der Jahre zu einem Kunstkritiker geworden.


Ich gehöre zu jenen Rezensenten, die nur über etwas schreiben (oder eben reden), zu dem sie etwas zu sagen haben.


Und die man deshalb ganz gerne liest und hört. Bruno Cappelletti – zu dem sage ich sehr gern etwas. Sein Wesen und daher auch seine Ausdruckskraft ist mir nahe.


Die sanfte oder spannende Formenwelt ihrer Skulpturen entspricht meiner Auffassung vom sogenannten flüssigen Zeichnen. Seine formbildende Kraft zielt dahin, einen Raum sanft oder voll Spannung zu bestimmen, so wie man auch eine Fläche mit einer Lineatur in eine markante Form bringen kann. Und sie damit bestimmen.


Fließende Gestalten in eine feste Form zu bringen – oder die feste Form aus Holz oder Stein herauszuschälen – ist ein Naturereignis, zunächst einmal. Daraus kann dann ein Kunsterlebnis werden.


Die plastische Gestalt braucht Raum, indem sie einen Corpus gibt. Ob dieser Corpus gegenständlich, also körperlich, abstrakt, oder womöglich beides zugleich, daherkommt, ist zweitrangig. Die Kunst fragt nicht nach abstrakt oder gegenständlich. Das machen nur dumme Theoretiker. Sehen Sie sich um – die Übergänge sind fließend.


Dieserart Kunstwerke werden für den öffentlichen Gebrauch im öffentlichen Raum gemacht. Daher sind sie in Hotelhallen zum Beispiel gut aufgehoben. Übrigens nicht nur in Art-Hotels. Cappelletti zumal sprengt mit seiner Aktivität die enge Begrenzung eines Ateliers.


Er braucht frische Luft, weite Räume, Kontakte, Betrachterinnen und Betrachter.


Er bietet formen, die zum Betasten (mit sauberen Fingern) einladen. Da sie aus einem geografischen Raum kommen, der immer menschenfreundlich menschenprägend war, verhaltet er sich so.


Der, aus dem mediterranen Raum gebürtige Künstler hat deshalb gesteigertes Naturgefühl. Die Musik dieser einzigartigen Kulturlandschaft schwingt in seinem Kopf und Herz, Händen und sogar Beinen weiter und nach.


Ob nun 1945 in Sopramonte im norditalienischen Trentino geboren – Cappelletti ist mediterran geprägt. Das Mittelmeer hat die angenehme Eigenart, ohne eine lästige Überschwemmung nötig zu haben, weit in die Anliegerländer hinein zu wirken.


So werden nicht nur die Küstenbewohner von Meerjungfrauen mit Musenküssen bedacht.


Sehen Sie nur diese ranken geschmeidigen Gebilde von der Hand Cappellettis: Nehmen Sie sich in acht – vielleicht werden Sie selbst von diesen geküsst…


                                                                                            Harald Kretzschmar





Augustusburg , Februar 2006


Über die Arbeiten von Bruno Cappelletti sind schon so viele gute, treffende, schöne, intelligente, warmherzige und wichtig klingende Sätze gesagt worden, daß es mir schwer gefallen ist, der Versuchung zu widerstehen, mich deren zu bedienen und eine hochgelehrt klingende Rede hier zu halten.


Andererseits wäre es ein bischen dümmlich, diese Texte völlig zu ignorieren.


Ich werde also, wenn ich es für angebracht halte, hin und wieder aus ihnen zittieren, in der Hoffnung, daß es mir gelingen möge, eine sinnvolle Verbindung aus fremden und eigenen Gedanken zu erzeugen.


Ohnehin kann dies, was ich Ihnen hier sagen kann, nur ein kleiner Teil dessen sein, was ich Ihnen sagen möchten und nur ein winziger Bruchteil dessen, was über Bruno Cappelletti und seine Kunst gesagt werden müßte.


Wenn man Bruno Cappelletti zu seinen Arbeiten befragt, so hört man von ihm immer wieder diesen einen Satz: „Ich hole nur heraus, was schon darin existiert.“.


Eine höchst einfache und zugleich anspruchsvolle Aussage, die nach meinem Verständnis unbedingt noch etwas näher betrachtet werden sollte.


Was also existiert worin?


Da wäre Erstens was in der Natur des verarbeiteten Materials innewohnt- Struktur, Maserung, Zustand und Form der verwendeten Hölzer- Baumstämme, Wurzelstöcke und immer wieder hölzerne Fundstücke aus Flüssen und Bächen an denen Wasser und Steine bereits eine Art „Vorarbeit“ geleistet haben.


Zweitens die nahezu universelle Formbarkeit des Betons.


Die Verschmelzung dieser beiden so gegensätzlichen Materialien ist für Cappelletti kein bloßer formaler Akt, denn da ist noch ein Drittens, und dies ist das allerwichtigste, nämlich sein eigenes Wesen und –hier möchte ich aus einer Rede von Matthias Schilling zitieren: „...seinem Innern, seiner besonderen seelischen Spannkraft. In aktivem und bewußtem Umgang mit Mut und Demut, nicht nur in seinem künstlerischen Schaffen, verwirklicht er sein Ich.“


Dabei ist Bruno Cappelletti kein Einsiedler in seinem Atelier, im Gegenteil, er braucht Raum, Luft, Kontakte, Begegnungen; er gleicht einem Katalysator, der alles um sich herum verändert und sich selbst dabei treu bleibt, an zahlreichen Begegnungen und Freundschaften europäischer Künstler trägt er eine schwere Mitschuld- und es werden jährlich mehr.


Vorgestern sagte er zu mir , er würde gern immer reisen und arbeiten und ausstellen und Pleinairs und Ausstellungen organisieren und möglichst alles gleichzeitig.


Dieser ständige Drang nach Bewegung, sowie sein stiller Humor und seine Menschenfreundlichkeit, kommen nach meinen Dafürhalten besonders in seinen Arbeiten, die sich mit den allgegenwärtigen Themen unserer menschlichen Existenz befassen- Natur, Liebe, Mann und Frau, Weiblichkeit, Mutterschaft- adäquat zum Ausdruck, da ist nichts aufgesetzt, keine bloße Pose, diese Arbeiten sind Bruno Cappelletti, sie sind authentisch „Fließende Gestalten in eine feste Form zu bringen – oder die feste Form aus Holz oder Stein herauszuschälen – ist ein Naturereignis, zunächst einmal. Daraus kann dann ein Kunsterlebnis werden.


Die plastische Gestalt braucht Raum, in den sie einen Corpus gibt. Ob dieser Corpus gegenständlich, also körperlich, abstrakt, oder womöglich beides zugleich, daherkommt, ist zweitrangig. Die Kunst fragt nicht nach abstrakt oder gegenständlich. Das machen nur dumme Theoretiker. Sehen Sie sich um – die Übergänge sind fließend.“ So zitiert aus einer Laudatio des Berliner Graphikers, Karikaturisten und Kunstkritikers Harald Kretschmar.

Cappelletti greift mit seinen Skulpturen sanft oder spannungsvoll in den Raum um ihn zu definieren und zu verändern, so sind die hier gezeigten Arbeiten nicht zufällig ausgewählt und aufgestellt, sondern sorgfältig aufeinander und den Raum der Galerie, der sie umgibt, abgestimmt Ihre Positionen wurden immer wieder verändert, kritisch überprüft und korrigiert, bis sich dieser Raum in eine „Gesamtskulptur“ verwandelt hat, die, wenn Sie sich in ihr bewegen, Ihnen immer wieder neue und überraschende Ansichten eröffnen wird.


Ich habe die Mitarbeit an dieser Raumskulptur genossen, was sicherlich nicht nur der Person Bruno Cappellettis und meiner Affinität zu seinen Arbeiten geschuldet ist, sondern auch dem Umstand, daß ich keinen anderen Bildhauer kenne, dem eine so sinnliche Synthese von so gegensätzlichen Materialien wie Holz und Beton gelungen ist.


(PAUSE)


Ich habe jetzt eigentlich den Zwischenruf: „So viele Bildhauer kennst Du doch gar nicht!“ erwartet, womit Sie ja zweifelsohne Recht haben, aber ganz offensichtlich haben auch andere, weitaus kenntnisreichere Personen die besondere Qualität der Arbeiten Bruno Cappellettis erkannt und honoriert So befinden sich seine Arbeiten nicht nur in ganz Italien, sondern in ganz Europa und auch in Südamerika in Privatsammlungen und in öffentlichem Besitz.


Ich weiß nicht, ob es für einen Laudator schicklich ist, darauf hin zu weisen, daß dies eine Verkaufsausstellung ist, und wenn nicht, so ist mir dies auch ziemlich egal, denn ich würde es uns allen wünschen, daß diese Skulpturen hierbleiben können und uns in unseren kalten, nördlichen Gefilden weiterhin an ihrer mediterranen Sinnlichkeit und Wärme teilhaben lassen.


Für alle die, die keine der hier gezeigten Skulpturen mehr abbekommen (denn es sind ja nur 14) bleibt ein kleiner Trost, im Kreiskrankenhaus Freiberg befindet sich eine große Skulptur Bruno Cappellettis, welche, wie alle Skulpturen Cappellettis, dazu einlädt, sie immer wieder anzuschauen und (mit hoffentlich sauberen Händen) anzufassen, um Körper und Seele daran zu erfreuen


Wenn jetzt das Stichwort Freiberg gefallen ist und ich daran denke, wieviel es noch über das Leben Bruno Cappellettis und seine lange Verbundenheit mit dem Freiberger Kunstverein zu erzählen gibt, bekomme ich ein bischen kalte Füße, damit es Ihnen nicht genauso ergeht, nur noch zwei kurze Sätze.


Lieber Bruno, ich möchte mich noch einmal persönlich bei Dir bedanken für all die wertvollen Anregungen, die interessanten Gespräche, die gemeinsamen Arbeiten, den guten Wein und das gute Essen, an denen Du mich, seit unserer ersten Begegnung 1999 im Freiberger Kunstverein, hast teilhaben lassen.


Ich freue mich, daß Du dich um eine Ausstellung bei uns in der Turmgalerie beworben hast und wir heute hier einige Deiner Arbeiten zeigen können.


Ich wünsche Dir eine erfolgreiche Ausstellung, sowie die Gesundheit und die Kraft, die Du brauchst, um alles das zu verwirklichen, was Dir am Herzen liegt.


Viel Spaß an der Ausstellung und einen vergnüglichen Nachmittag.


                                                                                                          Lichtblau






Freiberg, Februar 2006


Flüchtigkeit eines Gefühls in bildhaften Formen


………………………..Die plastische Sprache des Künstlers ist von seinem Material geprägt: Holz und Zement – Grundbaustoffe mit scheinbar unendlichen Abwandlungsmöglichkeiten, wie seine Skulpturen zeigen. Es ist ein kontinuierlich entwikeltes Werk ohne Brüche, das Cappelletti immer wieder zeigt. Die vielfältigen Möglichkeiten, diese Materialien plastisch zu verarbeiten, haben ihn zu eigenen und überzeugenden Skulpturen geführt.


Inhaltlich geht es mir bei meinen Arbeiten um die Konfrontation des betrachters mit Grundwerten unserer Gesellschaft und um seine “Öffnung”, erläutert Cappelletti seinen Künstlerischen Anspruch. In einer konsumorientierten Zeit erachte er als unumgänglich, sich zurückzubesinnen auf das Gespräch mit dem anderen, au f Gefühl, Offenheit, Liebe, Ehrlichkeit,Wertschätzung. So könne sich zum Beispiel in einer Skulptur die Flüchtgkeit eines Gefühls in bildhafter Form ausdrücken.


Menschliche Figuren bauen sich aus Kantigen auf, das sich zu weich auslaufenden


Formen entwickelt. Gestalten neigen sich zu-oder voneinander in spannungsreichem gegenüber. Bewegungen sind nur angedeutet, Wollen auch Verdrängen und Zurückweichen thematisieren. Stelen und liegende Körper sind als Elemente geschlossen.


Stets sind die Skulpturen in ihrem strengen Aufbau harmonisch gewachsen. “Hier ist der Punkt, an dem sich der Betrachter ansprechen lassen kann, sowohl durch seine Gedanken als auch durch die Berührung des Gebildes”, so der Künstler. Jede Skulptur von Cappelletti ist gekennzeichnet durch die Synthese dreier Elemente: der Rationalität des Holzes, deren Vermenschlichung durch organisch-ritmische Bearbeitung und der Bewahrung des Materials in seinem besonderen Charakter. Fragilität, Sensibilität und Leichtigkeit sind die Konstanten, die in allen Schaffensphasen das Werk auszeichnen.


                                                                                                          Christine Zülch




Trient, im März 2006


Die künstlerische Produktion von Bruno Cappelletti charakterisiert sich durch grosse förmliche Ausgesuchtheit. Seine langen, schlanken, eleganten, blutleeren und fast gesichtslosen Gestalten, die aber ausdrucksvoll und gefühlbeladen sind, streben nach oben. Cappelletti forscht, durch seine Schöpfung, nach den Aspekten des Lebens und der Existenz: der Mutterschaft, der Liebe, der Natur und des Menschen.


Für Cappelletti besteht die Aufgabe des Künstlers darin, auftauchen zu lassen, was im Leben und in der von ihm gewählten Materie, das heisst im Holz oder noch besser im Lebenskern selbst des Baumes, der Wurzel, schon da ist. In diesem „Element“ ist die Erde selbst gegenwärtig, mit ihren warmen und natürlichen Farben, mit ihrer nicht künstlichen, sondern echten Schönheit. Cappelletti scheint sie wie Plastilin handhaben zu können, indem er mit dem Meissel Spuren verfolgt, die er selbst geschaffen zu haben scheint, somit Linien schaffend, die die Tiefe und Rundheit der Gestalt hervorheben. Die Figuren scheinen aus dem Holz selbst herauszuspringen, in völliger Bereitschaft ins echte Leben hineinzufliegen. Es scheint, dass ein Hauch, ein leichter Wind genüge, damit das Wunder der zum Kind gewordenen Puppe sich verwirklicht, die in diesen durch Zeit und Wasser geformten Wurzeln, die die Wildbäche von den Bergen ins Tal beförderten, geboren wurde und gewachsen ist.


Die Wurzel wird zur Metapher des Ursprungs des ganzen Lebens, nicht nur desjenigen des Baumes und ruft deshalb weiteres Leben hervor, von anderen Wesen, von diesen Skulpturen, deren Leben nicht mehr nur potenziell, sondern schon wirklich ist.


In dieser Kunstausübung steckt ein raffiniertes Bewusstsein künstlicher Anmut. Der technische und stilistische Experimentalismus erlaubt es Cappelletti, den Skulpturen, die Holz und Stein, Holz und Beton zusammen führen und ein wechselseitiges Verhältnis zueinander haben, Leben zu verleihen. Die Skulptur, auf das Wesentliche beschränkt, dialogisiert mit Materialien, mit Vorgangsweisen, die an die Kunst der Armen gemahnen, aber mit Ergebnissen von höchster Harmonie.


                                                                                              Chiara Girardi






Wien, Dezember 2006


Ein Bildhauer der weichen, organischen Formen und Linien ;


ein Bildhauer der zusammengefügten Unvereinbarkeiten ;


ein Bildhauer der vereinten Gegensätze.


Es ist schwer zu ergründen, ob Bruno Cappelletti mit der Zusammenfügung, mit der technisch ausgeklügelten Bearbeitung zweier - normalerweise nicht vereinbarer - Materialien wie Holz und Zement neue Einheiten oder aber Widersprüche schaffen will. Er fügt Arbeiten in den zwei grundverschiedenen Vorgangsweisen - einerseits skulptural andrerseits plastisch geformte Teilobjekte - zu neuen vereinten Gegensätzen oder wenn man so will zu gegensätzlichen Einheiten zusammen.


Er spielt in und mit den Unterschiedlichkeiten der Materialien , ihrer immanenten Herkunft, der divergierenden Bearbeitung, der haptischen und optischen Wahrnehmbarkeit, sowie im Zeitfaktor der unterschiedlichen Alterungsprozesse.


Die Formen sind immer weich, warm, beinahe lieblich, sie laden zum Berühren, zum Streicheln zum Nachempfinden, sozusagen zum Nachmodellieren ein.


Seine Linien sind meist nur dazu da um die Formen zu begrenzen und zu strukturieren,


Linien sind nie die Träger der Ideen, Träger der Ideen sind seine an -und abschwellenden Volumen, die eine bestimmte Empfindung , die lebendige, teils erotische Masse darstellen sollen. Die meisterlich ausgearbeiteten, glattpolierten, seidig schimmernden Oberflächen sind nicht verschönernde Abschluss sondern Affirmation der Sinnlichkeit.


Sinnlichkeit ist auch der Tenor seiner Arbeitsweise, seiner Annäherung an Form und Inhalt, die seine Thematik in menschliche Gestalten oder organische Formen umsetzen lässt. Die Themen, die manifestierten Ideen sind gleichsam aus Harmoniebedürfnis, hoher Ästhetik und Dynamik zusammengesetzt. Fließendes , und Pulsierendes - wie zum Beispiel in der Skulptur „Bambino“ – greifen figurativ formend ineinander und lassen den behutsamen Umgang mit dem hier verwendeten Material erahnen. Die Skulptur „volere volare“ gibt die Ursehnsucht nacht Leichtigkeit und Freiheit wieder, durch die offene Form kommuniziert sie mit dem Betrachter und lädt zu Gedankenflügen ein.


In den für Cappelletti so typischen , aus zwei gegensätzlichen Materialien kombinierten Skulpturen werden dem ergänzendem Beton die organischen Formen des Holzteiles aufgezwungen. So entsteht der spannendste Moment in seinen Objekten , wo man nicht eindeutig sagen kann ob es ein Versuch der Verschmelzung der DUALITÄT oder die POLARISATION, das heißt die Darstellung des Spannungsverhältnisses zwischen zwei Gegensätzen ist.


                                                                                   Elisabeth Ledersberger-Lehoczky




Perugia, November 2007


BRUNO CAPPELLETTI: Ein Künstler der Archetype


Der Trentiner Künstler stammt, mit tiefem Bewusstsein und Identitätsgeist, aus einer Tradition, in der die technische Fähigkeit nötige Voraussetzung zu den Ausdrucksformen ist.


Die starke ästhetische Charakterisierung ist das Ergebnis eines langen Weges, den der unermüdliche, tüchtige und willensstarke Forscher zurückgelegt hat.


Er behauptet oft, sich wie ein „Handwerker“ zu fühlen, im wahrsten Sinn des Wortes, das heisst wie derjenige, der mit praktischer Tüchtigkeit künstlerische Gegenstände mit höchstem, ästhetischem Wert ausarbeitet und ausdrückt: in einer Suche nach der komplizierten, symbolischen Dimension, die in der Tätigkeit steckt; eigentlich ist das eine an die Umwandlung des Stoffes (oft Holz, aber nicht nur) gebundene Vorstellungswelt, wo der Stoff unersetzliches Lebenselement menschlicher Entwicklung ist.


Und gerade durch die Beziehung zum Holz, einem Archetyp des Wissens, versteht Cappelletti, dass die künstlerischen Eigenschaften Träger der Wahrheit, der Erklärung eines existenziellen Verwandlungsweges sind, der zu den höchsten Stufen des Bewusstseins führt.


Die weiteren Entwicklungen durch die Anwendung verschiedener Materialien wie Holz, Zement, Granit, Marmor und Bronze stellen die Vervollständigung der primären Ausdrucksnotwendigkeit dar.


Es eröffnet sich also eine Suche, die nicht ausschliesslich der Bildhauerei, sondern auch der Malerei dient, die sich durch den Vergleich mit Formen und Symbolen bewegt, die zu einer Vision jenseits der Zeit und Geschichte führen können, um zu Überlegungen existentiellen Inhalts anzuregen.


Sein künstlerischer Weg ist an wichtigen, internationalen Ereignissen reich, mit einer globalen Vision des Menschen konsequent und beweist eine wachsende Geradliniegkeit zu weitumfassenden Ausdrucksniveaus: man betrachte die Werke, die in der Zeit und der Welt für öffentliche Plätze und Ähnliches verwirklicht wurden.


Wenn man sein Gesamtwerk beobachtet, merkt man eine Spur, eine ausgeprägte Identität, angefangen von den ersten Skulpturen von kleinem Ausmass bis zu den grösseren Werken, die ihm beauftragt oder bei den vielen Symposien für Bildhauerei in der ganzen Welt verwirklicht wurden.


Als Anregeung jeder Schöpfung von ihm ist immer die Präsenz der menschlichen Gestalt als unersetzliches Symbol irdischen Wirkens, als entfleischte, mahnende Darstellung unserer Identität.


Mütterliche Gestalten, die Verkörperungen von Naturkräften, von Lebensphasen, von Beziehungen zum Weltall strikt darstellen, so stark ist sein Streben nach oben, um den persönlichen existenziellen Weg zu einem ununterdrückbaren Wunsch nach der Transendenz und dem Absoluten hervorzukehren.


Das alles, um eine Deutung seiner Werke deutlich zu machen, die ihm den Willen erkennt, dem Werk selbst den Wert eines Lebenszeugnisses und nicht nur eines einfachen, förmlichen und ästhetischen „Objektes“ zu verleihen.


Für den Trentiner Künstler bedeutet Holz zu bearbeiten, Zement zu modellieren, Bronze zu schmelzen oder Marmor zu meisseln, dem Unsichtbaren, dem Geheimnisvollen, dem Wesentlichen der inneren Idee ein ästhetisches Gesicht zu schenken, um die unaufhörliche Suche nach sich selbst zu offenbaren und alles auf sich beruhen zu lassen.


Ins Besondere ist die Anwendung des Holzes und der Wurzeln für Cappelletti eine Tat der „Enthüllung, Überraschung, Emotion“, um „hervorgehen zu lassen, was schon existiert“ und um alles zu erklären, womit er ein Verhältnis zum Unendlichen eröffnen könnte, durch die Prioritäten des Unbewussten und die Neigung, von sich selbst zu sagen, was im Absoluten lebt.


Selbst wenn Cappelletti mit seinen Werken über die Themen des Lebens und der Existenz nachforscht (die Mutterschaft, die Liebe, die Natur), tut er es, um dem grossen Bedürfnis nachzukommen, die Zerbrechlichkeit des Menschen, seinen prekären Zustand und entsprechende Erwartung anderer, verschiedener Wahrheiten zu bezeugen.


In diesem Sinne wird er alchemisch dank vorher existierenden, archetypischen Identitäten, die unseren alltäglichen Mängeln an Harmonie Sinn und Schwung verleihen.


Das Wurzeln-Holz, das Zement-Holz werden dann zu ununterdrückbaren Metaphern, die man berücksichtigen soll, um unser Schicksal, unseren Wahn, die versteckten Bedeutungen zu verstehen, die grenzenlose Szenerien sichtbar machen.


Bevor der Stoff gemeisselt wurde, ist er von Cappelletti „erfunden“ und wiederentdeckt worden, um uns ein Objekt zu zeigen und also zu vemitteln, das er in einem Baumstamm, in einer in Trentiner Bächen gefundene Wurzel, in einem Marmorblock mit „sprechenden und überfliessenden“ Äderungen identifiziert hat, das heisst einen Begriff, den er in der Zwischenzeit in seinem Gedanken ausgearbeitet hat.


Die Materie als Mittel des Ausdrucks ist also die Verwandlung einer Überlegung des Vertandes, einer Benennung mit Zeichen, die zum „Wort“ und Zauber wird, um dann das zu werden, was in der Kunst „Offenbarung“, Werk heisst.


                                                                                                   Pino Bonanno




Borgo Valsugana, Juli 2008


Das Thema der Verkündigung, zweifelsohne eines der am meisten dargestellten in der christlichen Kunst aller Zeiten, schafft immer wieder neue Emotionen und kann deswegen immer neu gedeutet werden. Es ist der Fall dieser schönen Skulptur Cappellettis, die nach seinem typischen, am meisten bekannten Stil verwirklicht wurde, der auch von den Leuten, die keine tiefe ästhetische Bildung besitzen, geschätzt wird. Es handelt sich um ein Werk, das an Poesie und Anregungen reich ist, und zwischen Religiosität und Hedonismus schwankt, in dem die Schilderung des wunderbaren Ereignisses die sinnlichen Formen eines unmöglichen Traumes annimmt.


Cappellettis Stil ist das Ergebnis einer langen Überlegung über die menschliche Gestalt, die in ihren wesentlichsten Aspekten und Formen dargestellt wird und auf ein Spiel reiner Volumina reduziert wird, die von strikt figurativen und konnotativen Elementen befreit sind, und wo das Licht auf glatte Flächen fällt und sie belebt, indem es die mit Absicht weggelassenen, aber auch beeinflussenden Einzelheiten wiedergibt, so dass jeder im Werk finden kann, was er zu sehen meint.


Auf diesen Schaffungs- und Stilisierungsprozess haben gewiss die Suggestionen einer bekannten Produktion aus dem zwanzigsten Jahrhundert von Moore,Viani, Arp und noch anderen Künstlern gewirkt, die mit den metaphysischen Formen von De Chirico und Carrà vereinigt sind.


Ein ausserordentliches Sammelsurium von Anregungen und Hinweisen, die tüchtig gewählt, beherrscht und für einen kreativen Begriff, der immer klar, persönlich und konkret von einer Persönlichkeit benutzt werden, die nur mit der der alten Handwerker vergleichbar ist.


Und gerade wie bei einem echten Handwerker zählt im Schaffungsprozess Cappellettis und hat einen ausschlagenden Wert für das Gelingen des Werkes die Wahl des zu benutzenden Materials. Im Fall einer hölzernen Skulptur verwendet Cappelletti nicht einfach Holz im Allgemeinen, sondern er wählt jeweils Holz aus Eiche, Tanne, Linde, Ahorn, Birke, Buche, Birnbaum oder etwas Anderes noch, weil jede Holzart bestimmte Charakterzüge besitzt, die je nach Benutzung auch sehr unterschiedliche Ergebnisse haben können. Im Fall der Verkündigung benutzte Cappelletti Ahorn, ein hartes, kompaktes Holz, das nicht splittert und sehr geeignet ist für genaue Arbeiten mit sehr glatten, sauberen Flächen, worauf das Licht fällt und zarte Helldunkeleffekte schafft.


                                                                                                        Vittorio Fabris




Telve Valsugana, Juli 2008.


Bruno Cappelletti wurde in Sopramonte (Trient) 1945 geboren und lebt nunmehr seit vielen Jahren in Castelnuovo in der Valsugana, wo er auch tätig ist. Als vielseitiger und extravertierter Maler und Bildhauer bevorzugt er organische Formen, die er aus der Natur nimmt, indem er vorzugsweise mit Holz arbeitet, einem Material, zu dem er eine besondere Veranlagung und Aufmerksamkeit zeigt, verbunden mit einer hohen Fähigkeit in verschiedenen Techniken der Bearbeitung und Schnitzerei, die er sich durch langjährige, intensive Arbeit angeeignet hat.


Als Förderer von nationalen und internationalen kulturellen Veranstaltungen organisiert er Ausstellungen und Workshops in ganz Europa. Er verfügt über ein reiches künstlerisch-kulturelles Curriculum und ist mit seinen Skulpturen und Malereien in sehr vielen Ländern vertreten, insbesondere in Österreich, Deutschland, Frankreich und vor allem in Italien. In seiner Schaffungspoetik versucht immer Cappelletti, wie er selbst behauptet, aus dem rohen Material nur das hervorgehen zu lassen, was schon da ist und sich in der Tiefe seines mit ästhetischem Geschmack und Ausdruckskraft vollen Geistes widerspiegelt. Es handelt sich eigentlich nur darum, eine Form von seinem überflüssigen Material, das deren Aspekt versteckt hält, zu befreien. Aber Cappellettis Nachforschung bleibt hier nicht stehen. Seit Jahren experimentiert er mit Erfolg Skulpturen aus mehreren Materialien oder, genauer gesagt, aus „geehelichten“ Materialien. Es handelt sich um Werke, wo die Kombinierung und „Umarmung“ zweier sehr verschiedenen Materialien wie zum Beispiel Holz und Zement oder Stein und Holz ihre natürliche Verschiedenheit überwinden und in was „Anderes“,„Drittes“ verschmelzen und zu einem neuen Material werden, das an Ausdrucksmöglichkeiten reich ist und neue Impulse und unerwartete Sensationen schaffen kann.


                                                                                                     Vittorio Fabris